Lorenz A., Nelson und jetzt Kenneth Obinna Ojukwu – drei Fälle im Jahr 2025 und 2026, in denen Schwarze junge Menschen starben oder getötet wurden. Ereignisse, die etwas Öffentlichkeit bekommen haben, doch die Dunkelziffer ist sehr wahrscheinlich höher…
Der 21-jährige Lorenz wurde im April 2025 in der Oldenburger Innenstadt von einem Polizeibeamten in den Rücken geschossen und starb an seinen Verletzungen. Gegen den Polizisten erhob die Staatsanwaltschaft im November 2025 Anklage wegen fahrlässiger Tötung. Bisher hat das Landgericht Oldenburg jedoch noch nicht entschieden, ob es überhaupt zu einem Prozess gegen den Polizisten kommen wird. Die Initiative “Gerechtigkeit für Lorenz” gründete sich nach seinem Tod mit der Forderung der Aufklärung des Falls und einem gerechten Prozess gegen den Polizisten, dessen Schüsse auf Lorenz als “Irrtum” bezeichnet wurden. Deutschlandweit mobilisierten Vereine und Initiativen zu Demonstrationen und Kundgebungen, um auf rassistische Polizeigewalt und den Tod von Lorenz A. aufmerksam zu machen.
Wenige Zeit später ging dann die nächste erschütternde Nachricht umher: Der 15-jährige Nelson stirbt in der Justizvollzugsanstalt Ottweiler. Die Behörden gehen von Suizid ohne Fremdeinwirkung aus – ähnlich wie im Mordfall Oury Jalloh, der in seiner Zelle verbrannte. Mitinsassen und Aktivist*innen sprechen dagegen von Beamt*innengewalt. Die Zahl der in den letzten Jahren in Haft oder nach polizeilichen Maßnahmen getöteten Menschen erweitert sich stets: Zwischen 1990 und 2024 zählt “Death in Custody”, eine Kampagne der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD), 266 Todesfälle von rassistisch unterdrückten Personen in Haft, Gewahrsam oder durch Polizeigewalt.
Fälle wie Amin Farah (2022), Mouhamed Lamine Dramé (2022), Kupa Ilunga Medard Mutombo (2022), Lamin Touray (2024) und Lorenz A. (2025) zeigen, dass Schwarze und POC besonders gefährdet sind – während die Unsicherheit wächst und die Gewalt gegen sie immer unberechenbarer wird.
Anstieg rechter Gewalt
Auch die Zahl der rechtsmotivierten Gewalttaten steigt stetig. Während es laut zdf heute vor drei Jahren etwa 1270 Fälle und im Folgejahr 1488 waren, erfasste man im Jahr 2025 schon mehr als 1500 Fälle.
Am 7. Februar 2026 wurde der 24-jährige Student Kenneth Obinna Ojukwu in Hamburg Eißdorf von 5 maskierten Tätern ermordet. Eine Mordkommission ermittelt. Genaue Erkenntnisse zum Tod von Kenneth gibt es noch nicht, es wird jedoch spekuliert, ob es sich um eine rechtsmotivierte Tat handelt. Seine Schwester kämpft öffentlich für mehr Sichtbarkeit und fordert Antworten zum Tod ihres Bruders.
Viele Schwarze Menschen und People of Color fühlen sich seit dem Mordfall und Anstieg rechter Gewalt noch weniger sicher. Wo ist man sicher und wer schützt vor den “Beschützern”?
Quellen:
- https://taz.de/Toedliche-Polizeischuesse-auf-Lorenz-A/!6151985/
- https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/rechte-gewalt-rechtsextremismus-straftaten-gewalttaten-100.html
- Hamburg-Eißendorf: Kenneth Obinna Ojukwu stirbt nach Angriff von fünf maskierten Männern – DER SPIEGEL
- Death in Custody. Aufklärung der Todesumstände in Gewahrsamssituationen jetzt! – ISD
